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Freitag, 20.01.2012, 10:55

Ich habe nach meiner letzten story viele Fragen bezüglich meiner derzeitigen location bekommen.

Also: gerade im Moment bin ich mit meinem Freund in Südostasien auf Urlaub und das noch bis Ende Jänner. Dann gehts auf direktem Weg zurück in die Heimat. In Shanghai sind wir vor zwei Wochen ausgezogen- Sachen gepackt, Container abgeschickt, Wohnung zurückgegeben, auf der Abschiedsfeier massiv abgestürzt - das ganze Programm, wie es sich gehört ; )

Die Geschichten über meine Schauspielerei, die ich jetzt veröffentliche, haben sich alle im vergangenen Jahr in Shanghai ereignet - da ich aber mit Doppeljob ziemlich eingespannt war, habe ich nicht zeitgleich darüber geschrieben.

Danke für euren liebe Kommentare - bin sehr glücklich zu sehen, dass ihr, trotz meiner längeren Abwesenheit, doch immer wieder reinschaut : )

Alles Liebe
Wei Na

PS: auf dem Bild seht ihr mich, wie ich beim Schnorcheln vor einem Walhai flüchte. Aufgenommen von meinem Freund, der das zum Schreien lustig gefunden hat.


Mittwoch, 18.01.2012, 05:34

Die Proben mit meinen Schauspielkollegen sind etwas vollkommen Faszinierendes für mich. Viele meiner neuen Kollegen führen ein sehr entspanntes und teilweise auch ziemlich chaotisches Leben und unterscheiden sich dadurch ziemlich von meinem bisherigen Freundeskreis in Shanghai. Letzterer besteht hauptsächlich aus Topmanagern internationaler Unternehmen – da ist meistens alles von A bis Z perfekt durchorganisiert.

Meine lieben Schauspielfreunde sind, im Gegensatz zu meinen anderen Freunden aus dem Topmanagement, eher sensible, zart besaitete Typen. So kommt es gelegentlich vor, dass ein Schauspieler zutiefst gekränkt die Probe verlässt, nachdem er vom Regisseur einen „Anschiß“ bekommen hat, weil er besagte Szene zum wiederholten Mal nicht so gespielt hat, wie der Regisseur es gerne hätte. Weil er nicht aufgepasst hat oder weil er der Ansicht ist, dass die Rolle anders zu interpretieren sei, als es der Regisseur es möchte? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mein Bestes gebe, den Anweisungen des Regisseurs zu folgen.

Ich schreibe immer genau mit, wenn mir der Regisseur erklärt, wie er sich meine Rolle vorstellt. Ich halte mich dann auch immer strikt an diese Notizen – woher sollte ich, als Neuling ohne entsprechende Ausbildung, es auch besser wissen? Ich merke auch, dass ich bei den Proben nicht so schnell müde werde wie die meisten meiner Schauspielkollegen. Durch meinen anderen Job bin ich lange Arbeitszeiten durchaus gewohnt. Eines Abends, um 23.00 Uhr nach der 10. Wiederholung einer Szene, meint schließlich der Regisseur bewundernd, dass er den Eindruck hätte, ich könnte diese Szene die ganze Nacht weiterproben ohne vor Erschöpfung aufzugeben. Ich denke mir nur: Hast du eine Ahnung … ich habe Vertragsverhandlungen durchgestanden die über zwei Wochen gingen, mit maximal 5 Stunden Schlaf pro Nacht, und bin nicht zusammengebrochen. Eine Nacht durchzuproben ist ein Kinderspiel dagegen. Ich komme mir langsam ein bißchen wie die Oberstreberin der Truppe vor.

Und wie es so mit den Streber ist, macht mich diese Einstellung schnell zum Liebling des Regisseurs, nicht aber unbedingt beliebt bei manchen Kollegen. Und schon tauchen die ersten Probleme und Eifersüchteleien auf. Eine Schauspielerin, die sich selbst (zugegebenermaßen berechtigt) als den Star der Show ansieht, bekommt Panik, dass ihr jemand die Rolle der Primadonna streitig machen könnte. Es kommt zum ersten Zwischenfall an jenem Tag an dem wir unseren Text auswendig können sollen. Unser Regisseur bekommt zunächst einen Tobsuchtsanfall als sich während der Probe herausstellt, dass keiner der Schauspieler seinen Text wirklich kann – mit einer Ausnahme! Ich war anscheinend die Einzige, die diese deadline ernst genommen hat.

Regisseur: „Könnt ihr mir bitte erklären, wie es dazu kommt, dass Wei Na, die im Gegensatz zu euch anderen Englisch nicht als Muttersprache hat, als Einzige ihren Text beherrscht? Diese Probe wird abgebrochen. Ihr geht jetzt alle nachhause und lernt euren Text über Nacht! Nehmt euch ein Beispiel an Wei Na!“

Im Hinausgehen nimmt mich besagte Schauspielerin, Lisa ist ihr Name, beiseite und zischt mir zu: „Ich kann wirklich nicht verstehen, wieso der Regisseur dich so gerne mag und dich immer lobt.“
Ich, leicht ironisch: „Vielleicht weil ich mich an vorgegebene deadlines halte und diszipliniert arbeite?“

So ein Kindergarten. Sie ist eine exzellente Schauspielerin, singt und tanzt grandios – sie ist der unumstrittene Star der Show! Mich wundert es, dass sie es nötig hat sich zu so einem Kommentar herabzulassen.

Diese neuen Erfahrungen in der Welt der Schauspieler faszinieren mich. Vorfälle, wie Lisas blöder Kommentar, kann ich nicht ernst nehmen. Das ist einfach nur kindisch. Für mich ist dieser Ausflug in die Schauspielwelt ein Experiment, eine einmalige Gelegenheit, in dieses Metier hineinzuschnuppern und zu testen, ob ich wirklich dafür geeignet bin. Sollte dies nicht der Fall sein, würde ich wieder vollständig zu meinem alten Beruf zurückkehren. Bis dahin beabsichtige ich vollkommen neutral und emotionslos die Geschehnisse in der Schauspielwelt zu beobachten und meine Erfahrungen zu machen.

Bei einer anderen Probe fragt mich Adrian, einer der Kinderdarsteller in dem Stück, wie alt ich denn sei. Amüsiert kläre ich Adrian zunächst darüber auf, dass man Frauen ab einem gewissen Alter solche Fragen besser nicht stellen sollte. Um ihm zu demonstrieren, dass ich mich selbst allerdings noch nicht zu diesen Frauen zähle, lasse ich ihn mein Alter schätzen. Ohne zu zögern ruft Adrian: „29!“ Ich bin beeindruckt, und gratuliere ihm zu diesem Volltreffer. Diese ganze Konversation weckt Lisas Aufmerksamkeit. Keine Konversation während der Probe bei der nicht sie im Mittelpunkt des Geschehens steht. Mit lauter Stimme fordert sie Adrian auf, auch ihr Alter zu erraten. Adrian mustert sie mit unbewegter Miene und meint schließlich im Brustton der Überzeugung: „35!“ Das ganze Cast beginnt verhalten zu kichern. Die arme Lisa ist nämlich erst 26 Jahre alt. Mit beleidigter Miene zieht sie sich zurück. Insgeheim freue ich mich diebisch über diesen Tiefschlag und genieße es, auch ein wenig kindisch sein zu können.


Donnerstag, 17.11.2011, 04:29

In meinem letzten Eintrag habe ich offen gelegt, dass es sich bei Anna um mich handelt. Also weiter in der Ich-Form.
Vor der ersten Probe bin ich sehr nervös. Ich mache mich wieder auf den Weg zu dem heruntergekommenen Apartmentkomplex, in dem schon die Audition stattfand. Ich bin überpünktlich (das habe ich im Geschäftsleben gelernt). Einige andere Mitglieder des Cast sind auch schon da. Schnell stelle ich fest, dass es sich dabei ausschließlich um English Native Speaker handelt. Und bekomme Komplexe. Vergessen ist, dass ich seit über zwei Jahren zu 80% auf Englisch arbeite und in dieser Sprache eigentlich sattelfest bin. Die werden mich sicher auslachen, vor allem wenn sie meinen Akzent hören.

Wir stellen uns alle der Reihe nach vor. Alle anderen kommen aus UK, USA, Singapur (ja, auch dort ist die offizielle Sprache Englisch) und sind mehr oder weniger ausgebildete Schauspieler. Schließlich komme ich an die Reihe. „Hi, I am Wei Na. I am from Austria, I studied …, I have no acting education whatsoever and apart from high school plays I have never been acting on a stage.” Keiner lacht, alle schauen mich freundlich und ermutigend an. Anschließend lesen wir das Stück einmal.

Und so beginnt mein Doppelleben. Ich habe drei bis viermal pro Woche Probe am Abend. Die Probe beginnt um 19.00 Uhr und dauert bis 22.00 Uhr. Mein Tag schaut folgendermaßen aus. Um 8.00 Uhr in der Früh sitze ich als Erste im Büro und hetze durch den Tag. Um 17.30 Uhr hetze ich aus dem Büro, fahre 1 Stunde mit der U-Bahn und gehe dann zwanzig Minuten zu Fuß zu unserem Probenraum. Dann wird bis 22.00 Uhr geprobt. Ich bin meistens um 23.00 Uhr zuhause und falle um Mitternacht wie eine Tote ins Bett. Man könnte sagen, dass dieser Lebensstil ein wenig kräfteraubend ist. Und die Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten. Durch das ständige U-Bahnfahren und mein durch Dauermüdigkeit geschwächtes Immunsystem und fang ich mir ungefähr jeden Erkältungskeim ein, der in der Shanghai Metro herumschwirrt. Es hilft auch nicht unbedingt, dass in unserem Probenraum im Jänner die Heizung ihren Geist aufgibt.
Heizung: ein ca zwei Meter hohes Klimaanlagengerät, dass verzweifelt versucht mit Warmluft einen ca. 30 m² großen Raum zu heizen. Bei -5 Grad C Außentemperatur und chinesischer Isolierung.

Vor dem Ausfall der Heizung reichte es vollkommen „nur“ mit drei Schichten Pullovern, Wollstrumpfhosen unter der Hose und dicken Wintersocken bekleidet zu proben. Nach dem Ausfall der Heizung stehen alle Schauspieler wie Michelin Männchen in ihren Daunenjacken, Mützen, Schals und Handschuhe im Probenraum und schlürfen in jeder Pause zitternd heißen Tee. Das Künstlerleben ist mindestens genauso hart wie das normale Büro-Leben in China, siehe hierzu:

http://vonderdonauzumhuangpu.mywoman.at/stories/629978/
http://vonderdonauzumhuangpu.mywoman.at/stories/634998/
http://vonderdonauzumhuangpu.mywoman.at/stories/751631/

Manchmal denke ich mir, dass ich mich wirklich nicht beschweren sollte. Ich lebe immerhin in Shanghai! Verglichen mit allen anderen Orten in China, lebt man hier wirklich auf sehr hohem Niveau. Es könnte wesentlich schlimmer sein.
Zurück zu meinem spannenden neuen Alltag. Kurz nachdem die Heizung im Probenraum ausgefallen ist, bekomme ich (wie sollte es auch anders sein) Blasenentzündung. Damit soll man nicht scherzen und so beschließe ich ausnahmsweise daheim zu bleiben und mich auszukurieren. Mich plagt zwar ein unglaublich schlechtes Gewissen (nicht etwa gegenüber meiner Arbeit, sondern gegenüber meinen Schauspielkollegen), aber irgendwann stößt jeder an seine Grenzen. Als ich mehr oder weniger gesund wieder ins Büro zurückkomme, nimmt mich eine Kollegin beiseite und fragt mich, ob ich an einer schrecklichen, chronischen Krankheit leiden würde. Ich wäre so dünn geworden, würde seit ein paar Wochen immer todmüde ausschauen und oft krank sein.

Da ich mein Doppelleben vor meinem Chef geheim zu halten versuche, kann ich natürlich auch gegenüber meinen Kollegen nichts von meiner Zweitkarriere preisgeben. Diejenigen, denen ich am Herzen liege, machen daher folgende Beobachtungen: Sie sehen nicht, wie früh ich jeden Tag im Büro bin, da niemand vor 9.30 Uhr erscheint (wieso auch, wenn unser Shanghai office Leiter zwischen 10.00 und 11.00 Uhr eintrudelt). Allerdings merken sie, dass ich pünktlich um 17.30 Uhr das Büro verlasse. Von den Proben bis 22.00 Uhr wissen sie natürlich nichts. Aus dieser Perspektive habe ich kein allzu stressiges Arbeitsleben. Es macht somit keinen Sinn für sie, dass ich Gewicht verliere, die Ringe unter meinen Augen von Woche zu Woche eine dunklere Schattierung annehmen und ich mich mit Dauerschnupfen bzw Husten ins Büro quäle. Und dann noch diese Blasenentzündung. Für die chinesischen Kollegen (die bei Gerüchten und Halbwahrheiten eine blühende Phantasie entwickeln können) ist die Situation eindeutig: ich leide an einer schweren, chronischen Krankheit und habe möglicherweise nicht mehr lange zu leben.

Und so entwickeln sie eine Fürsorglichkeit, die beinahe schon rührend ist. Sobald ich huste, oder mich schnäuze, beginnen meine Sekretärin Sandy und alle Praktikanten im Internet nach traditionellen chinesischen Heilmitteln gegen meine Leiden zu recherchieren. Diese werden dann flugs bestellt (auf meine Rechnung natürlich) und mir eingeflößt. Zusätzlich versuchen sie mir einen Speiseplan nach Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin zusammenzustellen. Leider erweise ich mich als ziemlich widerspenstiger Patient, da ich mich gegen das Schokoladenverbot wehre und es strikt ablehne, irgendwelche Kräutertees zu trinken, die einen ähnlichen Geruch wie die Kanalisation von Shanghai verströmen.

So stehen Sandy und Peter (ein besonders engagierter Praktikant) regelmäßig mit großen traurigen Augen vor meinem Schreibtisch und können nicht begreifen, wieso ich, selbst im Angesicht einer schweren Krankheit, so unvernünftig bin. Ich äußere mich weder bestätigend noch dementierend zu den Gerüchten bezüglich meines Gesundheitszustands. Sie erweisen sich jedenfalls als gute Entschuldigung um leidigen Firmenveranstaltungen fernzubleiben.