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Mittwoch, 18.01.2012, 05:34

Die Proben mit meinen Schauspielkollegen sind etwas vollkommen Faszinierendes für mich. Viele meiner neuen Kollegen führen ein sehr entspanntes und teilweise auch ziemlich chaotisches Leben und unterscheiden sich dadurch ziemlich von meinem bisherigen Freundeskreis in Shanghai. Letzterer besteht hauptsächlich aus Topmanagern internationaler Unternehmen – da ist meistens alles von A bis Z perfekt durchorganisiert.

Meine lieben Schauspielfreunde sind, im Gegensatz zu meinen anderen Freunden aus dem Topmanagement, eher sensible, zart besaitete Typen. So kommt es gelegentlich vor, dass ein Schauspieler zutiefst gekränkt die Probe verlässt, nachdem er vom Regisseur einen „Anschiß“ bekommen hat, weil er besagte Szene zum wiederholten Mal nicht so gespielt hat, wie der Regisseur es gerne hätte. Weil er nicht aufgepasst hat oder weil er der Ansicht ist, dass die Rolle anders zu interpretieren sei, als es der Regisseur es möchte? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mein Bestes gebe, den Anweisungen des Regisseurs zu folgen.

Ich schreibe immer genau mit, wenn mir der Regisseur erklärt, wie er sich meine Rolle vorstellt. Ich halte mich dann auch immer strikt an diese Notizen – woher sollte ich, als Neuling ohne entsprechende Ausbildung, es auch besser wissen? Ich merke auch, dass ich bei den Proben nicht so schnell müde werde wie die meisten meiner Schauspielkollegen. Durch meinen anderen Job bin ich lange Arbeitszeiten durchaus gewohnt. Eines Abends, um 23.00 Uhr nach der 10. Wiederholung einer Szene, meint schließlich der Regisseur bewundernd, dass er den Eindruck hätte, ich könnte diese Szene die ganze Nacht weiterproben ohne vor Erschöpfung aufzugeben. Ich denke mir nur: Hast du eine Ahnung … ich habe Vertragsverhandlungen durchgestanden die über zwei Wochen gingen, mit maximal 5 Stunden Schlaf pro Nacht, und bin nicht zusammengebrochen. Eine Nacht durchzuproben ist ein Kinderspiel dagegen. Ich komme mir langsam ein bißchen wie die Oberstreberin der Truppe vor.

Und wie es so mit den Streber ist, macht mich diese Einstellung schnell zum Liebling des Regisseurs, nicht aber unbedingt beliebt bei manchen Kollegen. Und schon tauchen die ersten Probleme und Eifersüchteleien auf. Eine Schauspielerin, die sich selbst (zugegebenermaßen berechtigt) als den Star der Show ansieht, bekommt Panik, dass ihr jemand die Rolle der Primadonna streitig machen könnte. Es kommt zum ersten Zwischenfall an jenem Tag an dem wir unseren Text auswendig können sollen. Unser Regisseur bekommt zunächst einen Tobsuchtsanfall als sich während der Probe herausstellt, dass keiner der Schauspieler seinen Text wirklich kann – mit einer Ausnahme! Ich war anscheinend die Einzige, die diese deadline ernst genommen hat.

Regisseur: „Könnt ihr mir bitte erklären, wie es dazu kommt, dass Wei Na, die im Gegensatz zu euch anderen Englisch nicht als Muttersprache hat, als Einzige ihren Text beherrscht? Diese Probe wird abgebrochen. Ihr geht jetzt alle nachhause und lernt euren Text über Nacht! Nehmt euch ein Beispiel an Wei Na!“

Im Hinausgehen nimmt mich besagte Schauspielerin, Lisa ist ihr Name, beiseite und zischt mir zu: „Ich kann wirklich nicht verstehen, wieso der Regisseur dich so gerne mag und dich immer lobt.“
Ich, leicht ironisch: „Vielleicht weil ich mich an vorgegebene deadlines halte und diszipliniert arbeite?“

So ein Kindergarten. Sie ist eine exzellente Schauspielerin, singt und tanzt grandios – sie ist der unumstrittene Star der Show! Mich wundert es, dass sie es nötig hat sich zu so einem Kommentar herabzulassen.

Diese neuen Erfahrungen in der Welt der Schauspieler faszinieren mich. Vorfälle, wie Lisas blöder Kommentar, kann ich nicht ernst nehmen. Das ist einfach nur kindisch. Für mich ist dieser Ausflug in die Schauspielwelt ein Experiment, eine einmalige Gelegenheit, in dieses Metier hineinzuschnuppern und zu testen, ob ich wirklich dafür geeignet bin. Sollte dies nicht der Fall sein, würde ich wieder vollständig zu meinem alten Beruf zurückkehren. Bis dahin beabsichtige ich vollkommen neutral und emotionslos die Geschehnisse in der Schauspielwelt zu beobachten und meine Erfahrungen zu machen.

Bei einer anderen Probe fragt mich Adrian, einer der Kinderdarsteller in dem Stück, wie alt ich denn sei. Amüsiert kläre ich Adrian zunächst darüber auf, dass man Frauen ab einem gewissen Alter solche Fragen besser nicht stellen sollte. Um ihm zu demonstrieren, dass ich mich selbst allerdings noch nicht zu diesen Frauen zähle, lasse ich ihn mein Alter schätzen. Ohne zu zögern ruft Adrian: „29!“ Ich bin beeindruckt, und gratuliere ihm zu diesem Volltreffer. Diese ganze Konversation weckt Lisas Aufmerksamkeit. Keine Konversation während der Probe bei der nicht sie im Mittelpunkt des Geschehens steht. Mit lauter Stimme fordert sie Adrian auf, auch ihr Alter zu erraten. Adrian mustert sie mit unbewegter Miene und meint schließlich im Brustton der Überzeugung: „35!“ Das ganze Cast beginnt verhalten zu kichern. Die arme Lisa ist nämlich erst 26 Jahre alt. Mit beleidigter Miene zieht sie sich zurück. Insgeheim freue ich mich diebisch über diesen Tiefschlag und genieße es, auch ein wenig kindisch sein zu können.


Donnerstag, 17.11.2011, 04:29

In meinem letzten Eintrag habe ich offen gelegt, dass es sich bei Anna um mich handelt. Also weiter in der Ich-Form.
Vor der ersten Probe bin ich sehr nervös. Ich mache mich wieder auf den Weg zu dem heruntergekommenen Apartmentkomplex, in dem schon die Audition stattfand. Ich bin überpünktlich (das habe ich im Geschäftsleben gelernt). Einige andere Mitglieder des Cast sind auch schon da. Schnell stelle ich fest, dass es sich dabei ausschließlich um English Native Speaker handelt. Und bekomme Komplexe. Vergessen ist, dass ich seit über zwei Jahren zu 80% auf Englisch arbeite und in dieser Sprache eigentlich sattelfest bin. Die werden mich sicher auslachen, vor allem wenn sie meinen Akzent hören.

Wir stellen uns alle der Reihe nach vor. Alle anderen kommen aus UK, USA, Singapur (ja, auch dort ist die offizielle Sprache Englisch) und sind mehr oder weniger ausgebildete Schauspieler. Schließlich komme ich an die Reihe. „Hi, I am Wei Na. I am from Austria, I studied …, I have no acting education whatsoever and apart from high school plays I have never been acting on a stage.” Keiner lacht, alle schauen mich freundlich und ermutigend an. Anschließend lesen wir das Stück einmal.

Und so beginnt mein Doppelleben. Ich habe drei bis viermal pro Woche Probe am Abend. Die Probe beginnt um 19.00 Uhr und dauert bis 22.00 Uhr. Mein Tag schaut folgendermaßen aus. Um 8.00 Uhr in der Früh sitze ich als Erste im Büro und hetze durch den Tag. Um 17.30 Uhr hetze ich aus dem Büro, fahre 1 Stunde mit der U-Bahn und gehe dann zwanzig Minuten zu Fuß zu unserem Probenraum. Dann wird bis 22.00 Uhr geprobt. Ich bin meistens um 23.00 Uhr zuhause und falle um Mitternacht wie eine Tote ins Bett. Man könnte sagen, dass dieser Lebensstil ein wenig kräfteraubend ist. Und die Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten. Durch das ständige U-Bahnfahren und mein durch Dauermüdigkeit geschwächtes Immunsystem und fang ich mir ungefähr jeden Erkältungskeim ein, der in der Shanghai Metro herumschwirrt. Es hilft auch nicht unbedingt, dass in unserem Probenraum im Jänner die Heizung ihren Geist aufgibt.
Heizung: ein ca zwei Meter hohes Klimaanlagengerät, dass verzweifelt versucht mit Warmluft einen ca. 30 m² großen Raum zu heizen. Bei -5 Grad C Außentemperatur und chinesischer Isolierung.

Vor dem Ausfall der Heizung reichte es vollkommen „nur“ mit drei Schichten Pullovern, Wollstrumpfhosen unter der Hose und dicken Wintersocken bekleidet zu proben. Nach dem Ausfall der Heizung stehen alle Schauspieler wie Michelin Männchen in ihren Daunenjacken, Mützen, Schals und Handschuhe im Probenraum und schlürfen in jeder Pause zitternd heißen Tee. Das Künstlerleben ist mindestens genauso hart wie das normale Büro-Leben in China, siehe hierzu:

http://vonderdonauzumhuangpu.mywoman.at/stories/629978/
http://vonderdonauzumhuangpu.mywoman.at/stories/634998/
http://vonderdonauzumhuangpu.mywoman.at/stories/751631/

Manchmal denke ich mir, dass ich mich wirklich nicht beschweren sollte. Ich lebe immerhin in Shanghai! Verglichen mit allen anderen Orten in China, lebt man hier wirklich auf sehr hohem Niveau. Es könnte wesentlich schlimmer sein.
Zurück zu meinem spannenden neuen Alltag. Kurz nachdem die Heizung im Probenraum ausgefallen ist, bekomme ich (wie sollte es auch anders sein) Blasenentzündung. Damit soll man nicht scherzen und so beschließe ich ausnahmsweise daheim zu bleiben und mich auszukurieren. Mich plagt zwar ein unglaublich schlechtes Gewissen (nicht etwa gegenüber meiner Arbeit, sondern gegenüber meinen Schauspielkollegen), aber irgendwann stößt jeder an seine Grenzen. Als ich mehr oder weniger gesund wieder ins Büro zurückkomme, nimmt mich eine Kollegin beiseite und fragt mich, ob ich an einer schrecklichen, chronischen Krankheit leiden würde. Ich wäre so dünn geworden, würde seit ein paar Wochen immer todmüde ausschauen und oft krank sein.

Da ich mein Doppelleben vor meinem Chef geheim zu halten versuche, kann ich natürlich auch gegenüber meinen Kollegen nichts von meiner Zweitkarriere preisgeben. Diejenigen, denen ich am Herzen liege, machen daher folgende Beobachtungen: Sie sehen nicht, wie früh ich jeden Tag im Büro bin, da niemand vor 9.30 Uhr erscheint (wieso auch, wenn unser Shanghai office Leiter zwischen 10.00 und 11.00 Uhr eintrudelt). Allerdings merken sie, dass ich pünktlich um 17.30 Uhr das Büro verlasse. Von den Proben bis 22.00 Uhr wissen sie natürlich nichts. Aus dieser Perspektive habe ich kein allzu stressiges Arbeitsleben. Es macht somit keinen Sinn für sie, dass ich Gewicht verliere, die Ringe unter meinen Augen von Woche zu Woche eine dunklere Schattierung annehmen und ich mich mit Dauerschnupfen bzw Husten ins Büro quäle. Und dann noch diese Blasenentzündung. Für die chinesischen Kollegen (die bei Gerüchten und Halbwahrheiten eine blühende Phantasie entwickeln können) ist die Situation eindeutig: ich leide an einer schweren, chronischen Krankheit und habe möglicherweise nicht mehr lange zu leben.

Und so entwickeln sie eine Fürsorglichkeit, die beinahe schon rührend ist. Sobald ich huste, oder mich schnäuze, beginnen meine Sekretärin Sandy und alle Praktikanten im Internet nach traditionellen chinesischen Heilmitteln gegen meine Leiden zu recherchieren. Diese werden dann flugs bestellt (auf meine Rechnung natürlich) und mir eingeflößt. Zusätzlich versuchen sie mir einen Speiseplan nach Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin zusammenzustellen. Leider erweise ich mich als ziemlich widerspenstiger Patient, da ich mich gegen das Schokoladenverbot wehre und es strikt ablehne, irgendwelche Kräutertees zu trinken, die einen ähnlichen Geruch wie die Kanalisation von Shanghai verströmen.

So stehen Sandy und Peter (ein besonders engagierter Praktikant) regelmäßig mit großen traurigen Augen vor meinem Schreibtisch und können nicht begreifen, wieso ich, selbst im Angesicht einer schweren Krankheit, so unvernünftig bin. Ich äußere mich weder bestätigend noch dementierend zu den Gerüchten bezüglich meines Gesundheitszustands. Sie erweisen sich jedenfalls als gute Entschuldigung um leidigen Firmenveranstaltungen fernzubleiben.


Dienstag, 21.06.2011, 04:00

Nach dem missglückten Jahresgespräch spielte Anna ernsthaft einige Tage lang mit dem Gedanken, ihren Job einfach hinzuschmeißen. Ohne einen neuen Job zu haben. Sich noch ein schönes Leben in Shanghai zu machen, bis schließlich auch der Vertrag ihres Freundes zu Ende wäre.

Andererseits konnte sie sich nicht mit der Vorstellung
abfinden, ein Jahr lang nichts zu tun. Sie hatte ihr ganzes Leben lang entweder fleißig studiert oder in anspruchsvollen Jobs gearbeitet. Für sie war es undenkbar, länger als ein oder zwei Monate ihren Tag ausschließlich mit Freizeitaktivitäten zu füllen. Gierig checkte sie ihren privaten email account fast stündlich nach Rückmeldungen auf ihre unzähligen Bewerbungen.
Eine knappe Woche nach dem Vorsprechen fand Anna in ihrer Inbox ein email der Theatergruppe. „Sicher eine Ankündigung für das neueste Stück“, dachte sie sich, als sie das email öffnete.

Als sie das email las, konnte sie es zuerst nicht verstehen. Sie las es noch einmal. Langsam begann es zu dämmern. Sie konnte es nicht begreifen. Wie war das möglich? Es musste sich um einen Irrtum handeln, anders war der Inhalt des emails nicht zu erklären. Da stand:
„Congratulations! You are in our production of Shakespeare’s Twelfth Night! Your part: Countess Olivia. Please confirm your acceptance of the part within the next five days.”

Dann stand noch etwas bezüglich Verfügbarkeit für die Proben in den kommenden drei Monaten. Anna wurde schwindlig. Sie war doch keine Schauspielerin. Sie war doch Managerin in einem multinationalen Konzern. Angenommen, es würde kein Irrtum, keine Verwechslung vorliegen: wie sollte sie es denn schaffen ihren Managerjob und die Rolle unter einen Hut zu bringen? Absurd. Unvorstellbar. Andererseits wäre es ein tolles Erlebnis sich nun, mit fast 30 ihren Jugendtraum zu erfüllen und doch noch auf der Bühne zu stehen.

Anna wusste nicht ein noch aus. Sie rief ihren Freund an. Dieser war von der Nachricht hellauf begeistert und riet ihr um jeden Preis die Rolle anzunehmen. Sie rief anschließend die Produzentin des Stücks an, um auch ja ein Missverständnis auszuschließen. Es war aber kein Missverständnis, das Rollenangebot war an sie gerichtet. Anna beschloss die Rolle anzunehmen und dieses neue Abenteuer zu wagen. Im Notfall auch zu Lasten ihres Jobs. Sie beschloss für sich, den Job und die Theaterproben solange wie möglich (heimlich) parallel laufen zu lassen und den Job dann irgendwann hinzuschmeißen.


Dienstag, 24.05.2011, 16:48

Das email war abgeschickt. Ein paar Tage später bekam Anna postwendend Antwort – sie war nun auf dem email Verteiler der Gruppe und wurde in regelmäßigen Abständen über Aktivitäten und Aufführungen informiert. Gemeinsam mit ihrem Freund und ein paar Bekannten besuchte sie auch eine Vorstellung der Theatergruppe. Das Stück hieß „The Woman in Black“ – es war eine düstere Horrorstory und passte sehr gut zu Annas momentaner Stimmung.

Im Büro war die Situation nach wie vor unverändert schlecht. Auch ihre Jobsuche gestaltete sich eher mühsam. Die Jahresgespräche mit dem Chef rückten näher und alle Kollegen wurden nervös. Der Chef hatte im Vorfeld der Gespräche angekündigt, dass sich die Berechnungsmethode für die Jahresboni geändert hätte. Jeder ahnte, dass dies nichts Gutes bedeuten würde.

Eines Tages landete ein weiteres email der Theatergruppe in Annas mailbox. Es war eine Einladung zu einem Vorsprechen für die nächste Theaterproduktion. Das Stück sollte „Was ihr wollt“ von Shakespeare sein. Der Termin für das Vorsprechen war genau einen Tag nach dem Termin für das Jahresgespräch mit dem Chef. Jeder, der vorsprechen wollte, war aufgefordert einen Shakespeare Monolog und drei Szenen aus dem Stück vorzubereiten. Anna war sich nicht sicher, ob sie hingehen sollte. Shakespeare war schon eine große Herausforderung, noch dazu für Anna, die keinerlei Schauspielerfahrung hatte und deren Muttersprache nicht Englisch war. Anna besorgte sich trotzdem für alle Fälle das Skript des Stückes.

Und schon war der Tag für das Jahresgespräch gekommen. Wie erwartet war es ein einziges Desaster. Mit scheinheiliger Miene lobte der Chef Annas Leistung und teilte ihr in demselben Atemzug mit, dass sie aufgrund der geänderten Berechnungsmethode nur die Hälfte des Bonus des Vorjahres ausbezahlt bekommen würde. Ohne weitere Begründung. Den meisten anderen Kollegen ging es ähnlich. Im Büro herrschte große Empörung und Frustration. Keiner konnte das Verhalten des Chefs verstehen. An diesem Abend traf sich Anne mit einer Gruppe von Freundinnen in einer Bar. Nachdem Anna ihrem Frust über die Situation im Büro freien Lauf gelassen hatte, kam das Gespräch auf das Vorsprechen. Annas Freundinnen waren Feuer und Flamme für die Idee. Sie drängten Anna, es doch unbedingt bei dem Vorsprechen am nächsten Tag zu versuchen. Anna hatte sich den Text bis dahin nur flüchtig angeschaut. Sie feierte an diesem Abend sehr lange und ausgiebig mit ihren Freudinnen und fiel lange nach Mitternacht ziemlich betrunken ins Bett.

Am nächsten Morgen war sie zu verkatert, um es ins Büro zu schaffen – wozu auch? Es war ja bewiesen, dass ihre Leistung nicht gewürdigt wurde. Also meldete sie sich krank. Zu Mittag schaffte sie es schließlich aufzustehen. Ihr Blick fiel auf das Skript, das auf ihrem Nachkasten lag. Sollte sie? Sollte sie nicht? Warum eigentlich nicht? Sie hatte noch ein paar Stunden Zeit um den Text vorzubereiten. Fieberhaft brütete sie den ganzen Nachmittag lang über dem Skript. Am Abend setzte sie sich in ein Taxi und machte sich auf den Weg zu der Adresse wo das Vorsprechen stattfinden sollte. Schließlich kam sie in einer sehr lokalen chinesischen Gegend von Shanghai an. Hier gab es keine glitzernden Hochhäuse, schicke Restaurants oder Bars. Der Taxifahrer blieb vor einem düsteren, heruntergekommenen Apartmentkomplex stehen. Anna betrat das Gebäude und fuhr in den dritten Stock. Dort standen schon mehrere Leute in einer Schlange vor dem Raum, in dem augenscheinlich das Vorsprechen stattfand. Anna war immer noch zu verkatert, um richtig nervös zu sein. Sie rückte in der Schlange immer weiter nach vorne. Schließlich betrat sie den Raum. An einem Tisch saßen ein Mann und zwei Frauen (es stellte sich heraus, dass es sich dabei um den Regisseur, die Produzentin und die stage Managerin handelte). Anna beobachtete, wie andere Kandidaten ihre Monologe und eine der drei Szenen aus dem Stück vorführten. Alle konnten ihre Monologe auswendig. Alle wirkten, also ob sie bereits Bühnenerfahrung hätten. Alle hatten eindeutig Englisch als Muttersprache.

Was solls, dachte sich Anna. Im schlimmsten Fall bekomme ich keine Rolle - damit rechne ich auch.

Sie sah die ganze Angelegenheit als weitere absurde Episode ihrer Zeit in Shanghai an. Als der Kandidat vor ihr fertig war, bekam sie ganz kurz ein klammes Gefühl im Magen. Ihr wurde ein Formular in die Hand gedrückt in das sie ihre Kontaktdaten einzutragen hatte. Dann trat sie in die Mitte und stellte sich lapidar vor.

„Hi, ich bin Anna. Wenn ihr jemanden braucht, der Englisch mit Akzent spricht, dann bin ich die richtige Kandidatin.“ Verhaltenes Lachen. Der Regisseur bat sie, ihren Monolog zu sprechen. Anna konzentrierte sich. Und plötzlich verschwamm der Raum um sie, sie sah weder den Regisseur, noch die Produzentin, oder die stage Managerin oder die anderen Kandidaten die darauf warteten an die Reihe zu kommen. Sie sprach ihren Monolog, wie sie ihn geübt hatte. Im Unterschied zu den anderen Kandidaten musste sie ihn ablesen, sie war aber trotzdem mit ihrer Performance zufrieden. Als sie fertig war, bat der Regisseur sie, mit einer anderen Kandidatin zusammen eine der drei Szenen aus „Was ihr wollt“ vorzuführen. Er teilte Anna für eine Rolle in dieser Szene ein, die Anna nicht wirklich geübt hatte. Sie absolvierte auch diese Aufgabe. Anschließend nickte der Regisseur und teilte ihr mit, dass sie fertig wäre.

Etwas benommen fuhr Anna nachhause. Sie war der Ansicht, dass sie verglichen mit den meisten anderen Kandidaten eine eher mäßige Performance abgegeben hätte. Für eine Amateurin war sie allerdings recht zufrieden mit sich. Sie hatte sich zumindest nicht vollkommen zum Affen gemacht. Und lustig war die ganze Angelegenheit auch gewesen. Einen Versuch war es zumindest wert.


Montag, 16.05.2011, 15:43

Dies ist die Geschichte einer meiner Freundinnen aus Shanghai. Ich nenne sie Anna. Anna war Managerin in einem multinationalen Unternehmen in Shanghai. Sie mochte ihren Job, obwohl es nicht der Job ihres Lebens war. Sie sah die Station in China als eine gute Erfahrung an, die sie im Leben weiter bringen würde. Mit der Zeit gab es viele Veränderungen in ihrem Unternehmen. Bald stellte sich heraus, dass sich das Unternehmen in eine Richtung veränderte, die nicht gut war. Immer mehr ihrer Kollegen kündigten. Die Leute die nachkamen waren eigenartig. Sie kamen in der Regel auf Empfehlung. Da sie auf Empfehlung gekommen waren, verdienten sie außergewöhnlich gut, sahen sie es aber nicht als notwendig an, sich für den Job ein Bein auszureißen. Bei Anna begann sich langsam Frust einzustellen.

Dann überstürzten sich die Ereignisse – in einer Woche kündigte Annas liebste Kollegin, die einzige mit der sie noch Spaß in der Arbeit hatte. Mit der sie Mittagessen ging und in Gesprächen wenigstens für eine Stunde am Tag die mühsamen Umstände ihres Jobs vergessen konnte. In derselben Woche erfuhr Anna, dass ihr Chef gegen sie intrigierte. Aufgrund ihrer Herkunft. Der Chef war der Ansicht, und diese vertrat er auch lautstark in der Firma, dass Anna als Nicht-Chinesin eigentlich keine sinnvolle Arbeit leisten konnte. Dies, obwohl der Chef noch nie mit Anna direkt zusammen gearbeitet hatte. Dies, obwohl Anna sich regelmäßig in der Firma die Nächte um die Ohren schlug, um die Versäumnisse der Empfohlenen wettzumachen. Anna war am Boden zerstört. Ihre Arbeit, die mittlerweile den überwiegenden Teil ihres Lebens einnahm, wurde nicht geschätzt. Schlimmer noch, man versuchte sie gezielt hinauszuekeln. Mehrere Wochen lang tat sie, wozu Shanghai einfach verlockt, wenn man in ein tiefes Loch gestürzt war – sie feierte und ging fort als ob es kein Morgen gäbe. Bald aber realisierte Anna, dass es so nicht weitergehen konnte, dass sich etwas in ihrem Leben in Shanghai ändern musste. Ein neuer Job musste her. Anna begann Bewerbungen zu schreiben und an andere multinationale Unternehmen in Shanghai zu schicken.

Eines Tages kam Annas Kollegin in ihr Zimmer und erzählte Anna von einer englischsprachigen Theateraufführung, die sie am Abend zuvor gesehen hatte. Die Aufführung sei sehr gut gewesen und die Theatertruppe wäre wohl eine der besten englischsprachigen in der Stadt. Sie würden auch immer wieder neue Leute für ihre Produktionen suchen. Im Scherz fragte sie Anna, ob Anna denn nicht Lust hätte, sich bei dieser Theatertruppe zu bewerben. Nach Ansicht der Kollegin hätte Anna großes schauspielerisches Talent. Anna fand den Vorschlag lustig, nahm ihn aber nicht ernst. Als Teenager wollte sie zwar immer Schauspielerin werden, hatte Gesangs- und Tanzunterricht genommen, doch spätestens nach vollbrachter Matura hatte ihr die gutbürgerliche Familie diese Idee ausgeredet. Sie solle doch etwas Sinnvolles studieren und den Tanz und Gesang weiterhin als Hobby betreiben. Die Schauspielerei sei doch eine brotlose Kunst mit der man im besten Fall finanziell gerade einmal über die Runden kommen würde. Also hatte Anna etwas Sinnvolles studiert, dann noch ein sinnvolles Doktorat gemacht und seither nur in seriösen, prestigeträchtigen und gut bezahlten Jobs gearbeitet. Soweit, so gut.

Dann folgte der Abschied der Kollegin. Annas Bewerbungen liefen auch nicht übermäßig gut – es gab zwar viel Interesse, auf die Bezahlung konnte man sich aber nie einigen. Anna war noch nicht so verzweifelt, dass sie für 50% ihres bisherigen Gehaltes bereit war zu arbeiten. Eines Nachts, als Anna wieder einmal über einem komplizierten Projekt brütete und wie immer die Letzte im Büro war, beschloss sie, die englischsprachige Theatergruppe im Internet zu googeln. Schnell kam sie auf eine Homepage und fand auch eine email Adresse. Es war ziemlich spät und Anna war sehr müde. Spaßhalber schickte sie ein email an die Theatergruppe mit folgendem Inhalt:

“Hi guys, I hate my job. Do you have a part for me in one of your plays?”

Fortsetzung folgt ...