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Donnerstag, 05.08.2010, 17:49

Heute ist ein historischer Tag. Heute hat die Vernunft einen ihrer wenigen Siege gegen das Chaos errungen.
Ich bin mittlerweile wieder zurück in Shanghai. Heute am Nachmittag sehe ich plötzlich wie sich zwei unserer Praktikanten zögernd dem Shredder nähern. Sie sind bewaffnet mit zwei Kartons voll confidential documentation. Ich traue meinen Augen nicht, als sie zuerst unschlüssig vor der Maschine stehen und schließlich beginnen, diese mit Papier zu füttern. Und dann wird zwei Stunden lang non-stop das getan wofür ich gemeinsam mit A. und Wang Yan seit einem halben Jahr erbittert gekämpft haben. Es wird geshreddert. SIE haben aufgegeben.

Und dann geschehen weitere Wunder: der Reihe nach kommen Kollegen aus ihren Zimmern und tragen stapelweise Papier zum Shredder. Dokumente, die sie seit Jahren an den unmöglichsten Orten in unserer Abteilung versteckt hatten. Sandy steht auch für ein paar Minuten am Shredder. Ich höre, wie sie auf Chinesisch über die Ausländer herzieht. Die bösen Ausländer, die sich schließlich doch durchgesetzt haben mit ihrer ungehörigen Forderung, dass vertrauliche Dokumentation geshreddert werden muss. Sie muss es nicht verstehen. Niemand muss es verstehen – es muss nur einfach erledigt werden und das geschieht jetzt endlich.

Und ich gehe jetzt schlafen.

Bild:
http://www.google.com.hk/imgres?imgurl=http://www.books-about-california.com/Images/Sculpture_Palaces_and_Courts/Victory.jpg&imgrefurl=http://www.books-about-california.com/Pages/Sculpture_of_the_Exposition/Victory.html&usg=__VYlxfcrbclaEdnbpMvqU8bD5RT0=&h=600&w=419&sz=33&hl=en&start=8&itbs=1&tbnid=VY7Y7xZRqU0zfM:&tbnh=135&tbnw=94&prev=/images%3Fq%3DVictory%26hl%3Den%26safe%3Dactive%26sa%3DG%26gbv%3D2%26tbs%3Disch:1


Sonntag, 25.07.2010, 11:36

A. hat es getan. Er hat zwei neue Shredder aus dem Budget seiner Abteilung gekauft und spendet diese (nach Absprache mit dem Top-Management unserer Firma) unserer Abteilung.

Heute ist es soweit.

11.24 Uhr: A. schiebt den ersten der beiden neuen Shredder triumphierend auf einem kleinen Transport-Wagerl in unsere Abteilung. Die Putzfrau und der Guard rennen beide verwirrt hinter ihm her. Die Putzfrau moechte A. das Wagerl abnehmen und es mitsamt dem Shredder in A.’s Abteilung zurueckschieben. Sie merkt genau, dass die Ankunft dieses Geraetes moeglicherweise eine Aenderung bzw Erweiterung ihrer job description bedeuten wird. A. wird daraufhin fast handgreiflich.

11.40 Uhr: Alle Assistentinnen ignorieren die Ankunft der neuen Shredder-Maschine beharrlich. Sandy meint irgendwann schnippisch, dass A.’s Abteilung anscheinend ein groesseres Budget als unsere Abteilung haette. Ich denke mir, dass der Unterschied einfach darin besteht, dass das Budget in A.’s Abteilung nicht von einer groessenwahnsinnigen Chefsekretaerin verwaltet wird, sondern vom Abteilungsleiter.

11.46 Uhr: Eine Kollegin (nicht Wang Yan) fragt mich leise fluesternd wieviel Papier der neue Shredder auf einmal shreddern koenne. Als ich ihr stolz verkuende, dass man 25 Blaetter auf einmal hineinschieben und er wesentlich laenger als 10 Minuten pro Tag in Betrieb genommen werden koenne, ist sie begeistert.

11.50 Uhr: A., Wang Yan und ich stehen vor dem neuen Shredder und probieren ihn aus. Ueberschwaenglich stopfe ich zuviel Papier auf einmal hinein. Der Shredder spuckt den Stapel wieder aus. A. und Wang Yan machen sich ueber mich lustig und meinen, dass ich eindeutig nicht qualifiziert waere, um diesen Job zu uebernehmen. Die, die den Job machen sollten, sitzen mit eisigen Mienen auf ihren Plaetzen. A. findet tatsaechlich ein firmeninternes Hinweis-Schild mit der Aufschrift „Please do not forget to immediately shred confidential documentation once no longer needed.“ Unter grossem Gelaechter stellen wir das Schild auf einen der neuen Shredder.

11.55 Uhr: eine unserer (weniger intelligenten) Praktikantinnen naehert sich mit ratloser Miene dem Shredder. Sie drueckt ihr gruenes Stofftier (das sie selbstverstaendlich immer im Buero bei sich hat) an ihre Brust und fragt mich mit staunenden Augen, was das denn fuer eine Maschine waere. Sie haette so etwas noch nie gesehen. Ich klaere sie ueber die Funktion des Shredders auf (ich habe lanegst aufgehoert, mich ueber diese und aehnliche Fragen zu wundern). Sie fragt, warum man denn nicht einfach die Dokumente in den Mist werfen wuerde. Ich gehe wortlos in mein Buero und frage mich zum wiederholten Mal, ob nicht doch ICH diejenige bin, bei der etwas nicht stimmt.

12.00 Uhr: Alle brechen schweigend zum Mittagessen auf.

14.00 Uhr: Wang Yan berichtet mir nach dem Mittagessen, dass sich dramatische Szenen waehrend des Mittagessens im Buero abgespielt haetten. Sandy ist furchtbar aufgebracht und zornig gewesen, dass A. den Shredder angeschafft hat. Aus ihrer Sicht war das Problem doch schon laengst geloest. Sie versteht nicht, wieso A. trotzdem weiterhin Unruhe in der Abteilung verbreiten und die Harmonie des Volkes stoeren wuerde. Als daraufhin eine andere Kollegin (die neu im Buero ist) fragt, wie denn A. auf die Idee gekommen waere, dass es ein Problem mit der confidential documentation gibt, behauptet Wang Yan (um mich zu schuetzen), dass A. die sich stapelnde Dokumentation in meinem Zimmer gesehen und daraufhin beschlossen haette, sich dieses Problems anzunehmen. Die andere, neue Kollegin fragt daraufhin, ob nur ich dieses Problem haette. Andere Kollegen geben zu, dass sich auch bei ihnen die confidential documentation in den Zimmern stapelt, sie aber diese verstecken wuerden, sodass das auslaendische Management das Problem nicht entdeckt wuerde. Ich waere anscheinend nicht gut genug beim Verstecken gewesen. Sandy meint ausserdem, dass sie nie behauptet haette, dass es keinen funktionierenden Shredder in unserer Abteilung gaebe. Als Wang Yan daraufhin fragt, ob Sandy selbst glauben wuerde, was sie gerade gesagt hat, erntet sie eisiges Schweigen.

Wang Yan schaerft mir ein, in dieser Angelegenheit nur noch mit aeusserster Vorsicht zu operieren, da sich alles nun richtig hochschaukeln wuerde.

15.45 Uhr: A. betritt das Buero von Jin Ling, unserer Shanghai Bueroleiterin. Hoeflich macht er sie auf die neuen Shredder aufmerksam und bittet sie dafuer zu sorgen, dass diese auch benutzt werden und die bisherige Praxis der Entsorgung eingestellt wird. Jin Ling bekommt einen ausgewachsenen Wutanfall und bezichtigt A. falsche Anschuldigungen zu machen. In unserer Abteilung wuerde alles mit rechten Dingen zugehen und er haette keinerlei Beweise dafuer, dass die vertrauliche Dokumentation nicht ordnungsgemaess entsorgt wuerde. Er solle es sich lieber zweimal ueberlegen, bevor er sich zu solchen Anschuldigungen hinreissen lasse und seine Shredder koenne er auch gleich wieder abholen. Als A. sie fragt, ob sie sich darueber im Klaren sei, dass es in ihrer Abteilung ein Informationssicherheitsproblem gaebe, streitet sie alles ab. A. macht sie darauf aufmerksam, dass sie spaetestens jetzt wissen muesste, dass es ein Problem gibt und sie sich nur noch tiefer in das Schlamassel hineinreiten wuerde, wenn sie jetzt untaetig bliebe. Jin Ling antwortet darauf, dass sie nach wie vor von keinem Problem wuesste, da nicht bewiesen waere, dass A. die Wahrheit sagt.

15.50 Uhr – 16.20 Uhr: A. ruft den Abteilungsleiter North East Asia Pacific an und schildert ihm die Situation. Dieser verspricht, der Angelegenheit nach zu gehen. Gleich anschliessend taetigt A. ein paar weitere Anrufe, ueber die er mich im Dunklen laesst. Er raet mir allerdings dringend, alle emails, die ich in dieser Angelegenheit verschickt haette, sicher abzuspeichern.

Waehrenddessen werden Wang Yan und ich in unserer Abteilung von den anderen gemieden. Man wirft uns lange, vorwurfsvolle Blicke zu, um uns zu verstehen zu geben, dass wir die Psychopathen sind, die an dem ganzen Theater Schuld sind. Wang Yan ist sehr beunruhigt. Wir besprechen, ob wir uns fuer ein Zeugenschutzprogramm bewerben sollten. Wang Yan meint, dass ich zumindest nach Oesterreich fluechten koennte, sollte es hart auf hart kommen. Sie wuerde allerdings hier festsitzen. Ich biete ihr an, sie zu heiraten, sollte der schlimmste Fall eintreten. Das findet sie dann doch wieder sehr lustig.

18.40 Uhr: Ich sitze im Taxi zum Flughafen, um fuer einen business trip nach Beijing zu fliegen. Wo Funny und auch der Abteilungsleiter sitzen. Angesichts der aktuellen Umstaende ist dies nicht gerade der geeignetste Zeitpunkt, um sich in Funny’s Naehe zu begeben. Andererseits, manchmal ist Angriff die beste Verteidigung.

Am naechsten Tag in Bejing

8.15 Uhr: Ich betrete das Buero. Funny ist als Einzige schon da. Es wird sich nie wieder eine bessere Gelegenheit fuer sie bieten, um mich durch einen tragischen Unfall zu beseitigen. Ich versuche unauffaellig wieder zurueck in den Aufzug zu fluechten, aber sie hat mich schon gesehen und kommt mir strahlend (zaehnebleckend?) entgegen.

Funny: Wei Na, wie schoen, dich wieder einmal bei uns zu sehen.

Ich: Ja, aehem, ich freu mich auch sehr, auf Besuch hier zu sein. In letzter Zeit war es ein wenig stressig in Shanghai, es war ganz gut, einmal raus zu kommen.

Verdammt, das wird sie sicher auf den Shredder beziehen.

Funny (mit besorgter, oder lauernder? Miene): Wieso denn, gibt es irgendwelche Probleme im Shanghai office?

Ich (mir steht mittlerweile der kalte Schweiss auf der Stirn): Nein, nein, alles bestens im Buero. Aber die Expo, es sind soviele Leute in der Stadt. Ausserdem ist es drueckend heiss. Da ist es in Beijing schon wesentlich angenehmer im Sommer.

Funny: ja, aber hier ist es im Sommer auch ziemlich heiss, das darf man nicht unterschaetzen. Geht es dir gut? Du bist ziemlich blass.

Ich: mein Kreislauf ist in der Frueh nicht gerade der Beste. Ich glaube, ich fang jetzt schnell zu arbeiten an, dann ist sicher gleich alles in Ordnung.

Fluchtartig begebe ich mich in das Gaestebuero, schliesse die Tuer hinter mir und atme ein paar Mal kraeftig durch.

12.00 Uhr: Nothing to report. Es ist verdaechtig ruhig im Buero. Zu Mittag gehe ich mit ein paar oesterreichischen Kollegen essen, die zufaellig auch auf business trip in Beijing sind. Es tut unglaublich gut und hat einen beruhigenden Effekt mit Leuten aus der Heimat Zeit zu verbringen.

13.50 Uhr: A. ruft mich an, um mir zu berichten, dass ES (die unerhoerte Entsorgung der confidential documentation) in der Frueh wieder passiert waere. Er haette Zeugen und vor allem handfeste Beweise, da er wohlweislich seinen Fotoapparat mit ins Buero genommen haette. Das koenne nur bedeuten, dass selbst der Abteilungsleiter involviert waere. Ich bin zu schockiert um zu sprechen und bitte A. mir in dieser Angelegenheit keine emails mehr zu schicken und auch nicht auf meiner Buero Nummer anzurufen, da nun nicht mehr ausgeschlossen werden kann, dass meine emails abgefangen und meine Gespraeche abgehoert werden.

14.00 Uhr: Ich fluechte in ein Seminar, das an diesem Nachmittag in Beijing angeboten wird. Es ist nicht so, das ich das Seminar unbedingt besuchen muesste, oder dass ich sonst nicht genug zu tun haette, aber der Fluchtinstinkt sagt mir, meine Abteilung nach Moeglichkeit zu meiden

16.00 Uhr: Das Seminar ist zu Ende und ich entdecke eine Nachricht auf meinem Handy. Sie ist von Wang Yan und lautet: Dear, I just got a call from “you can guess whom” and she literally interrogated me regarding the ISSUE. Pls give me a call as soon as possible; she might also want to talk to you.

17.00 Uhr: A. schickt mir nur noch SMS auf mein privates Handy. Selbst diese sind verschluesselt und lauten folgendermassen:

„Dann mal besser ran an die Beweissicherung. Habe ein Aufnahmegeraet fuer
EUCH und vor allem Fotoapparate zum fotografieren des Zustandes heute (immer
mit der Zeitung von heute als Grundlage)!! Wir reden nachher: Ort Zeit und
Wegbeschreibung werden erst drei minuten davor bekannt gegeben und koennen
jederzeit geaendert werden.
Diese SMS loest sich automatisch nach drei minuten auf, aber ich habe sie
sicherheitshalber mal fotografiert :-)

Peace, A.

17.10 Uhr: Ich rufe Wang Yan an. Wang Yan meint, dass Funny wutentbrannt bei ihr angerufen haette und eine detailgetreue Nacherzaehlung aller Vorgaenge zu dem Shredder-Thema verlangt haette.

Da A. eine solches Szenario bereits vor Wochen vorausgesehen hat, haben A., Wang Yan und ich uns eine Darstellung der Ereignisse zurechtgelegt, die A. als die treibende Kraft hinter der Loesung des Shredder-Problems (dh Anschaffung der neuen Shredder) erscheinen laesst. Wang Yan und ich fungieren in dieser Darstellung eher als Nebenfiguren des ganzen Dramas um moeglichst aus Funny’s Schusslinie heraus gehalten zu werden. Im Gegensatz zu A. kann sich Funny leicht an uns raechen indem sie unsere Reisekosten nicht mehr abrechnet.

Wang Yan berichtet mir daher Wort fuer Wort, was sie Funny am Telefon erzaehlt hatte – es deckt sich genau mit der Darstellung, die wir vereinbart haben. Ich werde diesselbe Geschichte erzaehlen, sollte Funny sich durchringen auch mich zu befragen. Ausserdem berichtet mir Wang Yan, dass der Abteilungsleiter erst am Nachmittag mit Funny gesprochen hatte. Somit hat die letzte illegale Vernichtungsaktion ohne sein Wissen und vor allem ohne seine Genehmigung stattgefunden. Das ist die erste gute Nachricht des Tages.

17.45 Uhr: Ich schreibe eine SMS mit dem folgenden Inhalt an A.:

"Du weisst schon wer" und ich haben jetzt taeglich eine Strategiebesprechung
in der wir insbesondere auch unser Aussagen aufeinander abstimmen. In
gegenseitigem Einverstaendnis sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir uns
bewusst aus der Schusslinie zurueckziehen werden, da wir ansonsten bald
Zeugenschutz und Asyl in einem anderen Land beantragen muessen. Das wird
natuerlich fuer "du weisst schon wen" schwieriger als fuer mich, aber im
Notfall heirate ich "du weisst schon wen", das ist ja seit kurzem auch legal
in "du weisst schon wo“.

Manchmal glaube ich, dass DIE uns schon seit Monate irgendetwas in unser
Diet Coke mischen und wir langsam anfangen zu halluzinieren und DIE nur
darauf warten, dass sie uns einweisen koennen.

Was meinst du?

To be continued ... hopefully.


Montag, 31.05.2010, 16:57

Ich habe die Überschrift mit Absicht ein wenig eigenartig und auf Englisch formuliert. Jedes Mal, wenn ich einem unserer Praktikanten einen Recherche-Auftrag gebe, bekomme ich ein Dokument mit dieser oder einer ähnlich lautenden Überschrift: The issue concerning the topic about some people spitting on the streets and maybe showing their big bellies; the issue concerning the topic why so many Expats in Shanghai maybe do drugs or become alcoholics or maniacs (or all together) etc (als Randbemerkung: das sind natürlich nicht die Themen, mit denen ich unsere Praktikanten üblicherweise beschäftige). Daher habe ich beschlossen, die Überschrift der nun folgenden Geschichte in diesem überkomplizierten, ein wenig verworrenen, aber so charmanten und typischen Stil meiner lieben chinesischen Arbeitskollegen zu schreiben. Und so passt die Überschrift auch perfekt zur Geschichte.

Diese Geschichte hat sich bereits vor einigen Wochen ereignet. Ich kann aber erst seit kurzem darüber sprechen und schreiben ohne automatisch Mordgelüste zu bekommen. Deswegen habe ich beschlossen, erst ein wenig Gras über die Angelegenheit wachsen zu lassen, bevor ich damit an die Öffentlichkeit gehe.

In unserer Abteilung entsteht ziemlich viel vertrauliche Dokumentation. Diese vertrauliche Dokumentation darf man natürlich nicht einfach so in den Mistkübel werfen. Da bestünde ja die Gefahr, dass jeder der scharf auf unsere Firmengeheimnisse ist, unseren Mist durchwühlt sobald dieser unser Firmengebäude verlassen hat, und sich die gewünschten Dokumente heraus fischt. Was sollte daher mit der vertraulichen Dokumentation geschehen, wenn man sie entsorgen möchte?

Man sollte sie durch den Shredder jagen. Das sollte man wirklich – VERDAMMT WAS IST DARAN SO SCHWIERIG?
Entschuldigung, das war ein einmaliger Ausrutscher. Passiert nicht wieder.

Eines schönen Tages im Büro nehme ich ein Blatt Papier und möchte es in mein Shredderkisterl (die Kiste, in der ich meine vertrauliche Dokumentation entsorge und die dann von meiner Assistentin geshreddert werden sollte – das dachte ich zumindest immer) werfen. Dabei bemerke ich, dass mein Shredderkisterl überquillt. Ich gehe zum Schreibtisch meiner Assistentin und bitte sie, bei Gelegenheit meine vertrauliche Dokumentation zu shreddern. Sie schaut mich mit großen Augen an und verspricht sich darum zu kümmern, sobald sie weniger zu tun hätte. Im Moment wäre unglaublich viel zu tun und die Vernichtung der vertraulichen Dokumentation wäre doch nicht so dringend. Es kommt zu folgender Konversation:

Ich: „Sandy, du hast Recht. Das Shreddern der vertraulichen Dokumente ist sicher eine der wenigen Aufgaben, die nicht dringend sind. Deswegen befürchte ich, dass der Zeitpunkt in dem es nichts Dringenderes zu tun gibt, nie kommen wird. Es wird immer dringendere Dinge zu erledigen geben. Meine Shredderkiste geht allerdings schon über und ich möchte keine zweite Shredderkiste in meinem Zimmer haben. Außerdem können wir nicht anfangen die vertrauliche Dokumentation in unseren Büros zu horten – alles was herumliegt ist ein Sicherheitsrisiko. Vielleicht können dir die Praktikanten helfen?“

Sandy: „Ich kann sie natürlich fragen. Die haben aber alle immer viel zu tun.“

Genau, the issue concerning the topic …

Ich: „Was ist denn mit der Putzfrau?“

Sandy: „Die habe ich schon gefragt. Sie hat mir ganz klar gesagt, dass Shreddern nicht in ihrer job description steht.“

Ich (um Beherrschung bemüht): „Gut, dann kläre ich mit ihr, dass ab heute Shreddern in ihrer job description steht. Die Zeit in der sie am Nachmittag sonst üblicherweise ihr Schläfchen in unserem Konferenzzimmer hält, kann sie genauso gut zum Shreddern nutzen.“

Ich habe ja auch sonst nichts Besseres zu tun, als mit der Putzfrau über ihre job description zu sprechen. Gar kein Problem! Warum stelle ich mich eigentlich nicht gleich selbst an den Shredder? Ich gehe leicht genervt zurück in mein Zimmer um an einer Telefonkonferenz teilzunehmen. Wozu habe ich eigentlich eine Assistentin, wenn ich mich dann selbst um solche Kleinigkeiten kümmern muss?

Als ich wenig später auf der Suche nach der Putzfrau am Platz meiner Assistentin vorbeigehe, sehe ich, wie sie hektisch meine vertrauliche Dokumentation Blatt für Blatt von Hand zerreißt. Von Hand. Zerreißt. Hatten wir nicht vorher eindeutig von shreddern gesprochen?
Zunächst vermute ich dass ein sprachliches Problem dahintersteckt. Vielleicht hat sie gedacht, dass ich mit „to shred“ von Hand zerreißen meine. Hat sie aber nicht, ihr war sonnenklar, dass ich von der Shreddermaschine gesprochen habe.

Folgende Konversation findet statt:

Ich: „Sandy, so geht das nicht. Erstens sind die Schnipsel zu groß, so kann man immer noch zu viel von dem Dokument lesen. Zweitens wirst du alt, wenn du jede Seite von Hand zerreißt. Die Dokumente müssen durch den Shredder. Das ist sicherer und wesentlich effizienter.“

Sandy (schon leicht panisch): „Der Shredder ist so laut, der stört die anderen doch nur bei der Arbeit. Ich kann die Dokumente in kleinere Schnipsel zerreißen, kein Problem.“

Ich (nach wie vor um Freundlichkeit bemüht): „Der Shredder stört sicher niemanden.“

Sandy: „Doch, Huang Hui hat sich einmal beschwert, als ich vor ihrem Zimmer geshreddert habe.“

Ich (leicht verzweifelt, aber immer noch gefasst und um Verständnis bemüht): „Weißt du was? Vor meinem Zimmer steht auch ein Shredder – nimm doch einfach den. Mir ist das egal, ich höre ohnehin den ganzen Tag den Presslufthammer vor meinem Büro, da fällt der Lärm vom Shredder nicht weiter auf.“

Sandy (richtig verzweifelt): „Ich habe Angst, dass der Shredder vor deinem Büro kaputt geht, wenn ich ihn verwende. Er funktioniert nur für 10 Minuten am Tag und man kann maximal 3 Blätter gleichzeitig hineinschieben.“

Ich: „Wieso funktioniert er nur für 10 Minuten am Tag?“

Sandy: „Weil er sehr alt ist.“

Das ganze Thema beginnt mich nun wirklich zu nerven. Ich schlage vor, den Shredder vor meinem Zimmer reparieren zu lassen. Das würde nicht gehen, da er keinen Defekt hätte, sondern einfach nur steinalt wäre. Da kommt mir eine neue Idee.

Ich: „Wieso tragen wir nicht einfach den Shredder der jetzt vor Huang Hui’s Zimmer steht in unsere Abstellkammer und shreddern dort? Dann wird niemand durch den Lärm bei der Arbeit gestört.“

Sandy: „ Welchen Shredder soll ich in die Abstellkammer tragen?“

Ich (immer noch freundlich, aber mit einem deutlich genervten Unterton): „Den vor Huang Hui’s Zimmer.“

Sandy: „Da sind aber zwei.“

Sie steht auf und führt mich zu den beiden Shreddermaschinen, die vor Huang Hui’s Zimmer stehen. Einer der beiden sieht aus als ob er der älteste Shredder Chinas wäre (also noch älter als der steinalte vor meinem Zimmer). Ich bin fast erstaunt, dass er über ein Stromkabel verfügt und nicht eine Kurbel an der Seite hat, die man drehen muss um die Maschine zu betätigen. Der andere Shredder sieht besser aus. Ich beschließe, dass er der Auserkorene ist, der in Zukunft in unserer Abstellkammer über unsere vertrauliche Dokumentation herfallen darf. Ich teile Sandy meine Entscheidung mit.

Sandy: „Der funktioniert leider nicht.“

Ich: „Und das Steinzeitmodell?“
Und ich sehe die Antwort schon voraus …

Sandy: „Der funktioniert schon seit langer, langer Zeit nicht mehr.“

Ich: „Das bedeutet also, dass wir in unserer Abteilung, die überdurchschnittlich viel vertrauliche Dokumentation produziert, einen Shredder haben der seit langer, langer Zeit nicht funktioniert, einen anderen, der noch nicht so lange nicht mehr funktioniert und einen, der nur für 10 Minuten am Tag funktioniert, aber auch nur wenn man nicht mehr als drei Blätter Papier gleichzeitig hineinschiebt?“

Sandy schaut zu Boden, duckt sich ein wenig und nickt ein paar Mal. Daraufhin gehe ich in mein Büro, setze mich auf meinen Stuhl und atme ein paar Mal tief durch. Für ein paar Stunden beschäftige ich mich mit der Arbeit, die eigentlich in meiner job description steht, bevor ich mich erneut dem Shredder-Problem zuwende.

Bald stehe ich wieder vor Sandys Schreibtisch. Sie zittert am ganzen Körper als sie mich sieht und zerreißt in einem unglaublichen Tempo Papier.

Ich: „Sandy, ich glaube die einzige Lösung besteht darin, einen der Shredder reparieren zu lassen oder einen neuen zu kaufen.“

Schweigen. Alle Assistentinnen halten den Atem an.

Sandy (so leise, dass ich sie kaum hören kann): „Das kostet viel Geld. Das wird Funny nicht genehmigen.“

Funny ist die Chefsekretärin unserer Abteilung. Sie ist die Vorgesetzte aller unserer Assistentinnen und führt ein Schreckensregime. Sie ist außerdem die Hüterin unseres Abteilungsbudgets und entscheidet über jede Büroklammer, die gekauft werden muss. Und in aller Regel fällt ihre Entscheidung negativ aus. Wir brauchen allerdings einen Shredder, soviel steht fest. Wir können nicht warten, bis sich in unseren Büros die vertrauliche Dokumentation bis unter die Decke stapelt, einer der Stapel dann womöglich umfällt und jemanden erschlägt.

Ich (verzweifelt, dass ich zu einer Drohung greifen muss, es scheint allerdings nicht anders möglich zu sein): „Sandy, du wirst jetzt bei Funny einen neuen Shredder beantragen. Wenn du es nicht tust, werde ich es tun und gleichzeitig Funny mitteilen, dass du und deine Kolleginnen Schwierigkeiten haben, administrative Probleme in unserem Büro zu lösen.“

Sandy (mit Tränen in den Augen): „Ja, natürlich. Ich schreibe sofort ein email. Kein Problem.“

Ich gehe zurück in mein Büro und beginne zu beten. Nach einer halben Stunde kommt meine Kollegin Wang Yan in mein Zimmer. Sie macht hinter sich die Tür zu und teilt mir mit, dass Funny die Anfrage nach einem neuen Shredder abgelehnt hat und Sandy daraufhin auf die Toilette gerannt ist und dort nun weinen würde. Ich bin mittlerweile nervlich am Ende und frage Wang Yan, ob wir das Problem an Jin Ling, die Leiterin unseres Shanghai Büros, eskalieren sollten.

Zur Erklärung: unsere Abteilung hat zwei Standorte. Das Hauptbüro ist in Beijing. Dort sitzt unser oberster Chef zusammen mit den meisten meiner Kollegen und auch Funny, seiner Sekretärin. Die kleinere Einheit unserer Abteilung sitzt in Shanghai und wird von unserer Vizechefin Jin Ling geleitet.

Wang Yan meint, dass ich durchaus versuchen könnte, das Problem mit Jin Ling zu besprechen. Ich mache mich also auf den Weg zu Jin Lings Büro.

Ich: „ Jin Ling, wir haben ein Problem. Die vertrauliche Dokumentation wird nicht vernichtet, da wir keinen funktionierenden Shredder im Büro haben. Dh, wir haben einen, der funktioniert aber nur für 10 Minuten am Tag und auch nur dann, wenn man nicht mehr als 3 Blätter gleichzeitig hineinschiebt. Das reicht aber nicht, um die Masse an vertraulicher Dokumentation die in unserer Abteilung entsteht zu vernichten.“

Jin Ling blickt mich mit ausdrucksloser Miene an: „Es ist doch wirklich nicht deine Aufgabe, dich um solche Dinge zu kümmern. Das Problem sollen die Assistentinnen lösen.“

Ich erkläre Jin Ling, was bisher geschehen ist. Sie geht mit keinem Wort auf die Geschehnisse ein sondern wiederholt nur, dass sich die Assistentinnen um dieses Problem zu kümmern hätten und ich nicht meine Zeit damit verschwenden sollte.

Ich erkenne das Phänomen der Problemvermeidung durch beharrliches Ignorieren des Problems und merke sofort, dass ich hier nicht mit Hilfe rechnen darf. Ich bin mittlerweile auf 180 und beschließe Funny einen Anruf zu bescheren, den sie ihr Leben lang nicht vergessen würde. Ich stürme in Wang Yans Büro und verkünde, dass ich mich nun persönlich um Funny kümmern würde. Wang Yan springt auf, schließt die Tür und versucht mich zu beruhigen. Dann klärt sie mich auf. Funny hätte es sich zu ihrem Lebensinhalt gemacht, in unserer Abteilung Kosten zu sparen. Daher würde sie den Kauf eines neuen Shredders nie genehmigen. Niemand in unserer Abteilung sollte sich unüberlegt mit Funny anlegen, da sie dann aus Rache unsere Reisekostenabrechnungen nicht mehr genehmigen würde. Deswegen dürfte ich auch von Jin Ling keine Unterstützung erwarten.

Ich frage Wang Yan, ob es ihr Ernst wäre, dass eine Abteilung mit 40 Leuten, 10 davon im Topmanagement unseres Unternehmens, von einer Chefsekretärin tyrannisiert würde. Wang Yan nickt betreten. Ich frage sie, was man ihrer Meinung nach machen könnte.
Wang Yan: „Nur du kannst das Problem lösen. Du bist die einzige Ausländerin in der Abteilung, da wird Funny es sich zweimal überlegen, dir Steine in den Weg zu legen. Vielleicht könntest du ihr ein freundliches, diplomatische email schreiben, das Problem darstellen und sie um Hilfe bitten. Und unseren Chef cc setzen.“

Klar, das ist die Lösung! Eine dermaßen wichtige Entscheidung wie den Kauf einer Shreddermaschine kann natürlich nur der Abteilungsleiter North East Asia Pacific absegnen. Wieso ich darauf nicht schon früher gekommen bin! WAS HABE ICH MIR NUR DABEI GEDACHT, DAS PROBLEM ANDERS LÖSEN ZU WOLLEN???? Entschuldigung, ein zweiter Ausrutscher. Das ist aber wirklich der Letzte. Eigentlich habe ich diese Sache bereits verarbeitet.

Irgendwie schaffe ich es, das besagte email abzuschicken. Dann flüchte ich einen Stock höher in die Abteilung meines westlichen Kollegen und rege mich ungefähr eine Stunde lang in seinem Büro auf. Er möchte sofort mit mir zum Metro (ja, den gibt es auch in Shanghai!) fahren und einen Shredder kaufen. Ich verweigere, da mittlerweile meine geistige Gesundheit davon abhängt, ob ich dieses Problem alleine lösen kann.

Zurück in meinem Büro befindet sich ein email meines Chefs in meiner Inbox.

„Funny, execute immediately.“

Ich juble und tanze vor Freude in meinem Zimmer herum. Ich habe sie geschlagen, ich habe das Problem gelöst! Wang Yan kommt in mein Zimmer und gratuliert mir. Sie freut sich, da auch in ihrem Zimmer das Shredderkisterl überquillt. Ende gut, alles gut.

Oder?

Wer jetzt tatsächlich gedacht hat, dass die Geschichte damit zu Ende ist, der kennt China und die Chinesen nicht. Ich komme am nächsten Tag gut gelaunt in mein Büro. Ein Blick in mein Shredderkisterl und meine Laune steigt weiter – es ist halb leer! Das ging aber schnell. Ich streife durch das Büro und suche den neuen Shredder. Vor meinem Zimmer steht immer noch der Shredder, der nur für 10 Minuten am Tag funktioniert und auch nur wenn man nicht mehr als 3 Blätter gleichzeitig hineinschiebt. Ich gehe weiter zu Huang Hui’s Zimmer und treffe auf meine alten Bekannten, das Steinzeitmodell und den Shredder, der noch nicht so lange kaputt ist. Wo aber ist der neue Shredder? Ich kann ihn weder in der Abstellkammer, noch bei den Assistentinnen finden. Schließlich schaue ich in der Küche und am Klo nach. Der neue Shredder ist nirgendwo. Ein ungutes Gefühl macht sich in mir breit. Ich betrete Wang Yans Zimmer und frage sie, ob sie den neuen Shredder schon gesehen hätte.
Wang Yan bittet mich, Platz zu nehmen und macht die Tür ihres Büros zu.

Wang Yan (mit schicksalsschwerer Stimme): „Du weißt also noch nicht, wie Funny das Problem gelöst hat?“
Was sie mir anschließend erzählt löst Übelkeit und Schwindel in mir aus. Und ich muss erkennen, dass es in diesem Land Dinge gibt, die ich nie begreifen werde. Als Wang Yan fertig ist, stehe ich wortlos auf, gehe in mein Zimmer, schließe die Tür hinter mir und schreie, so laut ich kann.

Wie glaubt ihr, wurde das Shredder-Problem „gelöst“? Soviel sei verraten: bis heute gibt es keine neue Shredder-Maschine in unserer Abteilung.
Lösungsmöglichkeiten zum Auswählen:

a) Funny hat unsere Assistentinnen gezwungen, in Zukunft die vertrauliche Dokumentation zu essen.
b) Einmal pro Woche fährt Sandy mit einer Kiste vertraulicher Dokumentation zum Fluss, nimmt die Fähre und wirft die vertrauliche Dokumentation in der Mitte des Flusses ins Wasser.
c) Einmal im Monat macht unser Security Guard zusammen mit unserer Putzfrau (die mittlerweile ihre job description erweitert hat) ein großes Feuer in einer Eisentonne im Innenhof unseres Bürogebäudes und verheizt dort die vertrauliche Dokumentation.
d) Keine der drei zuvor genannten Möglichkeiten, da ich aus Sicherheitsgründen die Wahrheit nicht preisgeben kann.

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